Archive for Oktober 2012

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Lange ist es her dass ich etwas in den Blog geschrieben habe. Nach den etwas deprimierenden, aber realistischen Geschichten aus Irland wird es jetzt wieder spaßiger.

Ich darf wieder mit dem Zug durch die Republik reisen, genau genommen von Aachen nach Hannover. Vier Stunden, in denen wunderbares Material für die Zugbeobachtungen gesammelt werden konnte.

Und es gibt sie, die Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die Unterscheidung erfolgt dabei nicht nach erster Klasse und zweiter Klasse, nein, das wäre zu profan. Die Unterscheidung liegt in der Wahl des Zuges, also in den RegionalExpress-Fahrern und den ICE-Fahrern.

Gemeinsam ist den beiden Klassen, dass hemmungslos laut geredet wird. Verständlich, schließlich hat man der Welt ja auch Einiges mitzuteilen. Das drängt an die Oberfläche, das will raus.

In Stolberg ist sie eingestiegen, gemeinsam mit Ihrer Freundin. In Eschweiler wusste ich schon, dass ihr Freund morgens ganz schlecht rauskommt, ihre Mutter lange Jahre Vegetarierin war, und das viele Leute das System der Garderoben bei Veranstaltungen nicht verstehen. Für die nicht Ortskundigen, ich rede von dem Abstand zwischen zwei Bahnhöfen.

Bis Düren habe ich mich dann über die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke von Leuten mit Lippenpiercings informieren dürfen. Man hat mit einem solchen (ich habe keines) wohl die Tendenz in Momenten in denen man sich unbeobachtet fühlt, mit der oberen Zahnreihe am diesem Piercing zu Kauen. Können Sie sich vorstellen was ich meine? Dabei ist es für den Dämlichkeitsgrad des Ausdruck wohl sehr entscheidend, wo das Piercing platziert ist. Mangels eines solchen Körperschmucks kann ich hierzu nichts sagen, werde aber später im Badezimmer mal versuchen, ob ich diese Gesichtsausdrücke simulieren kann. Hier in der Bahn möchte ich das nicht tun, sonst lande ich am Ende noch selbst in einem Blog.

Kurz vor Horrem habe ich dann noch erfahren, dass Marvin mit seiner Kusine poppt. Das ist nämlich deshalb besonders brisant, weil sie eigentlich mit dem besten Kumpel vom Marvin zusammen ist. Aber das wussten Sie ja wahrscheinlich schon, oder?

Ganz anders sind die Gespräche im ICE. Hier geht es nicht um Piercings oder dem Austausch von Körperflüssigkeiten, hier geht es um Business, Zahlen, Daten, Fakten.

Aber mit dem Blackberry in der Hand ist das Posen noch viel besser als das Posen beim ACDC-Luftgitarre-Spielen unter der Dusche.

Hier wird hemmungslos alles ausgeplaudert. Vergiss die Geheimhaltungsvereinbarung die Du bei Arbeitsantritt unterschrieben hast, die Welt will erfahren was für ein toller Hecht du bist! Lass es raus! Von Köln bis hinter Wuppertal dürfte ich mich über die Bestandsverwaltungssysteme von Industrieversicherungsmaklern informieren lassen. Glaubt man dem IT-Menschen, der hier tätig ist, müssen dort katastrophale Zustände herrschen. KATASTROPHAL!!! Ich komme ins Grübeln, ob man Marcel, dem Freund von Marvin nicht einen Tipp geben sollte…

Besonders entzückend finde ich, dass der ganze ICE-Wagen gestern auch die private Email-Adresse des IT-Menschen bekommen hat. Soll ich sie verraten? Nein, das mache ich natürlich nicht. Zu meinem größten Bedauern war es Mail.name@web.de. Wie gerne hätte ich gehört „Schick mir das doch bitte auf Pummelbaerchen1977@gmx.de“ Schade….

Advertisements