Archive for September 2011

Amazon Kindle3 oder Sony PRS 350? Ein Review

Ich beobachte nicht nur Busse, sondern auch elektronische Gadgets. Da ich nun stolzer Besitzer eines Sony PRS 350 UND eines Amazon Kindle3 bin, möchte ich Euch nach zwei Wochen intensiven Testens des Kindle3 (den Sony habe ich schon seit Februar) mal meine ganz persönlichen Eindrücke zu den beiden Geräten mitteilen.

Eins vorweg, es sind meine ureigensten persönlichen Eindrücke, dieses Review erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Ich bin auch nicht die Stiftung Warentest. Es sind nur meine Erfahrungen wie sich die beiden Geräte in meinem Alltag als Vielleserin schlagen. Ein Überblick für Einsteiger, quasi.

Bevor ich richtig einsteige hier ein paar technische Details zu den beiden Geräten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an meinen Twitter-Freund @GwidionR, der mich mit einer wunderbaren Übersicht zu den Readern versorgt hat.

Die Bildschirmauflösung ist bei beiden Geräten mit 600×800 gleich. Der Kindle3 hat einen 6“-Bildschirm, der Sony 350 nur einen 5“-Bildschirm. Auch im Gewicht gibt es deutliche Unterschiede, 240 Gramm. der Kindle3, der Sony wiegt nur 155 Gramm.

Der Kindle3 kostet in der WLAN-Version 139 €, der Sony PRS 350 kostet 179 €, also deutlich mehr.

Insgesamt ist der Kindle3 nicht nur durch den Bildschirm, sondern insbesondere durch die Tastatur deutlich größer:

Standardformat für Ebooks ist hierzulande EPUB. Der Kindle liest diese Dateien jedoch nicht, sondern (neben PDF und anderen Formaten) stattdessen MOBI-Dateien. Daher kann man auf den Sony nicht die Bücher von Amazon lesen, umgekehrt kann man mit dem Kindle nicht bei den deutschen Shops wie Ciando, Libri und wie sie alle heißen shoppen. Bei nicht kopiergeschützten Büchern ist es allerdings mit der kostenfreien Software Calibre kinderleicht die vorliegende Datei in das passende Format zu konvertieren. Dieses Programm ist für die Sonybesitzer, die nur EPUBs verwenden eigentlich nicht notwendig, denn Sony liefert eigene Software mit. Leider ist diese Software mit dem Betriebssystem Lion für Mac derzeit nicht ohne weiteres kompatibel (Sonys Software läuft im 32-Bit-Modus und Lion standardmäßig im 64-Bit-Modus), insofern bietet sich Calibre zum Bestücken des Readers auf für diese User an.

Die Akkus halten bei beiden Geräten sehr lange. Laut den Herstellerangaben beim Sony zwei Wochen, beim Kindle gar vier Wochen, allerdings denke ich das diese Dauer nur dann erreicht werden kann, wenn das WLAN ausgeschaltet ist. Ich habe den Kindle in den zwei Wochen in denen ich ihn jetzt habe erst einmal laden müssen. Der Sony erreicht die versprochenen zwei Wochen.

Apropos WLAN, das bringt mich zu dem nächsten Thema. Der Kindle3 den ich habe ist die WLAN-Version, das heißt man kann auch direkt ganz ohne PC vom Reader aus bei Amazon shoppen. Buch auswählen, klicken, ruckzuck ist das Buch auf dem Reader. Das geht bei dem Sony nicht ganz so geschmeidig, hier ist der PC eingebunden. Die neuen Sony-Reader, die auf der IFA bereits vorgestellt wurden und ab Oktober erhältlich sein sollen, haben auch WLAN. Allerdings sollte man beim Shoppen im Amazonstore mit dem Klicken vorsichtig sein, das Ganze geht per „1-Click-Buy“, einmal falsch geklickt und das Buch ist auf dem Reader. „So ein Mist“ hab ich gebrüllt als ich statt des „nach-unten“ -Buttons den „Enter“-Knopf erwischt habe und das zwar nette aber nicht sooooo nette Buch auf meinem Reader und 15,99€ auf dem Konto von Amazon landeten. Mein Ärger verrauchte aber schnell als mich zwei weitere Twitterfreunde darauf hinwiesen, dass Amazon versehentlich gekaufte Bücher zurücknimmt und den Preis erstattet. Das ging vollkommen problemlos, Mail an Amazon, nach nicht einmal 10 Minuten kam die Rückmeldung und das Buch wurde direkt, weil der Reader im WLAN eingebucht war , von Amazon gelöscht. Ich bin mir sicher, dass die deutschen Anbieter einen ähnlichen Service haben, allerding habe ich hier, wahrscheinlich auch weil der Umweg über den PC gemacht wird, noch nichts versehentlich gekauft.

Aber dennoch, an dieser Stelle: DANKE AMAZON!

Jetzt aber mal Butter bei die Fische, welcher Reader ist denn nun besser?

Hm?

Sag doch mal!

Ehrlich gesagt, ich weiß es immer noch nicht.

Vom reinen Lesen her nehmen sich die beiden Reader nichts:

Bei beiden Reader ist das Display (in meinen Augen) gestochen scharf, Lesen ist auch in der prallen Sonne ohne weiteres möglich. Da spiegelt oder blendet nichts.

Die Schriftgröße lässt sich bei beiden Readern in verschiedenen Stufen anpassen, beim Kindle3 kann zudem noch die Schriftart verändert werden.

Der Vorteil des Sonys liegt beim Lesen im niedrigeren Gewicht. Ihn hält man ohne Probleme stundenlang in einer Hand, das Blättern geht entweder mit dem Finger über das Display oder per Tastendruck. Der Kindle3 ist hier deutlich unhandlicher. Ihn habe ich beim Lesen eher auf dem Knie aufgestützt, das Blättern geht über die seitlich angebrachten Tasten. Diese Tasten reagieren deutlich schneller als die Tasten beim Sony, was dazu führt das man, also ich, beim „Angeschaltet-durch-die-Gegend-Tragen“ schon mal schnell wild umblättert und dann erst die Stelle wo man war suchen muss.

Insgesamt habe ich auch den Eindruck, dass das Umblättern beim Kindle3 ein kleinwenig schneller ist als beim Sony, dies ist aber ein rein subjektiver Eindruck.

Ein Wörterbuch haben beide Reader eingebunden, sehr schön wenn man so wie ich auch gerne englische Bücher liest. Bei beiden Readern hat man die Möglichkeit, Unterstreichungen und Notizen hinzuzufügen.

Der Kindle3 bietet zudem noch die Möglichkeit, während des Lesens Musik zu hören, ein Feature was für mich persönlich vollkommen überflüssig ist, weil ich entweder lese ODER Musik höre. Jaaaa, ich weiß, man kann die Musik ja nicht nur während des Lesens hören, aber mal ehrlich, wer nimmt denn der Kindle3 statt MP3-Player mit? Zugegeben, im Bus sind große Kopfhörer zwar modern, aber der Player ist doch eher klein, oder?

Ach, ein Feature beim Kindle3 hätte ich fast vergessen: Er kann vorlesen. Das klappt bei englischen Büchern ganz hervorragend, sogar mit ein wenig Intonation. Bei deutschsprachigen Texten kann man diese Funktion außer zur Belustigung vergessen, denn es hört sich an als würde man einem Amerikaner der kein Wort Deutsch spricht einen deutschen Text mit den Worten: „Lies mal, Jimmy“ in die Hand drücken.

Nun also, das Schwierigste, das Fazit:

Welchen Reader soll man nehmen? Der geneigte Jurist sagt an dieser Stelle: „Das kommt drauf an“

Das kommt drauf an:

  • wenn man auf den Preis achtet eindeutig den Kindle3, denn der kostet immerhin 40 € weniger
  • wenn man einen kleinen, leichten und handlichen Reader sucht, den Sony, der mit seiner Aluoberfläche auch etwas wertiger als der Kunststoff-Kindle3 wirkt
  • wenn man unabhängig vom PC Bücher kaufen möchte, den Kindle3

Mein persönliches Fazit ist, dass man mit keinem der beiden Reader etwas verkehrt macht.

Edit am 21.10.2011:

Es gibt doch einen ganz gravierenden Unterschied zwischen den beiden Geräte, und zwar den Service im Garantiefall. Dass dieser bei Amazon hervorragend ist, ist hinlänglich bekannt. Bei Sony mache ich allerdings gerade ausgesprochen negative Erfahrungen, über die ich an dieser Stelle aber erst dann ausführlich berichten werde, wenn die Reklamation abgeschlossen ist.

Edit am 19.11.2011:

Nach langem Hin und her hat sich Sony dazu entschlossen, mir meinen Kaufpreis zurück zu erstatten. Das Gerät ist nicht reparabel, ein neues Gerät kann mir Sony nicht zur Verfügung stellen, da es den Sony PRS-350 bereits nicht mehr gibt. Schade.

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