Archive for Juli 2011

Kommunikation Teil 2

Obwohl der Kommunikationsbeitrag quasi noch „druckfrisch“ ist, möchte ich Euch ein Gespräch gestern aus den Bus nicht vorenthalten.

Auf der halben Strecke zum Büro stieg eine Mutter mit ihrem Sohn ein, offensichtlich auf dem Weg zu irgendeiner Ferienbetreuung. Der Sohn war im besten Grundschulalter, in der Kategorie drittes bis viertes Schuljahr.

Auch hier möchte ich das Gespräch weitestgehend unkommentiert wiedergeben:

Sohn (im weiteren S.): „Ich will aber!“

Mutter (im weiteren, wer hätte das gedacht, M.): „Ich hab gesagt ich will das nicht.“

S.: „Och Mennooooooooooo“

M.: „Nein.“

S.: „Ich will aber die Haare gefärbt haben!“

M.: „Nein.“

S..: „Wohol.“

Anmerkung der Autorin: die nachfolgende Nein-Doch-Ich hab gesagt Schluss jetzt-Nein-Doch-Menno-Diskussion zieht sich jetzt noch zwei Haltestellen hin. Ich erspare Euch das hin und her, möchte aber an dieser Stelle meinen tiefen Respekt für die Geduld der Mutter zum Ausdruck bringen.

Nun fährt der Kleine größere Geschütze auf:

S.: „Aber an Karneval hast Du mir die Haare auch gefärbt!“

M.: „Na und?“

S.: „Und warum durfte ich da?“

M.: „Weil da Karneval war.“

Klingt auf den ersten Blick schlüssig, überzeugt den Junior aber nicht wirklich.

S.: „Blond ist aber doof“

M.: „Bitte?“

S.: „Blond ist scheiße, so kann ich nicht rumlaufen“

M.: „Quatsch, blond ist hübsch, andere Leute lassen sich die Haare extra blond färben.“

Mittlerweile sind die Gespräche im Bus weitgehend verstummt, alle Leute sitzen mit Blumenkohlohren da und lauschen amüsiert der Unterhaltung.

S.: „Ich hab mich aber schon angemeldet“

Das Auditorium hält den Atem an. Wie wird Mutter diesen Schlag parieren?

M.: „Wie Du hast Dich angemeldet? Ohne Deine Eltern zu fragen?“

S. mit Triumph in der Stimme: „Jaaaha, die Anmeldung steht.“

M.: „Wenn Kinder sich anmelden ohne ihre Eltern zu fragen machen sie sich strafbar!“

HALT! Einspruch Euer Ehren! Unfairer Tiefschlag der Mutter, will ich schon durch den Bus rufen. Doch da kommt mir der Junior zuvor.

Jetzt kommt er, der, aus Sicht des Juniors, ultimative Joker. Der Joker, den wir alle in unserem Leben schon hunderte von Malen ausgespielt haben und der bei Eltern nie zieht:

S.: „Aber der Alexander darf auch!“

Autsch, zischt der Bus unisono, ein Eigentor….

M. souverän die Erfahrung der letzten dreißig Jahre ausspielend, mit einem Chuck Norris Grinsen auf den Lippen: „So so, dann rede ich mal mit Alexanders Eltern…“

S.: „Also ich meine, ähm, ich meine schon dass der darf…“

M.: „Wie jetzt, Du hast doch gesagt Du weißt das er darf?“

S.: „Also ich glaube er darf….“

An dieser Stelle verlassen wir die Konversation. Aus meiner Sicht ein klarer Punktsieg für die Mutter, obwohl Junior einige gute Treffer gelandet hat.

Wie gerne würde ich mir den Junior nochmal in zwanzig Jahren ansehen. Sollen wir mal seinen späteren Beruf raten? Ich sag mal Anwalt. Neee, ich ändere nochmal meinen Tipp und setzte 5 Euro auf Politiker….

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Kommunikation

Was haben wir nur damals gemacht? Damals, als es noch keine Handys gab?  In meinem Leben spielt das Handy ja eher eine untergeordnete Rolle….

Na gut, genug gelacht, vielleicht schau ich doch ab und zu auf mein Handy…

Doch ich bin nicht allein. Während ich persönlich mein Handy im Bus aber normalerweise nur dazu nutze um zu twittern, zu facebooken oder RSS-Feeds zu lesen, nutzen viele meiner Mitfahrer das Handy zu seinem originären Zweck: sie telefonieren.

Mal ganz leise und verkrampft „Hm. Ja. Hm. Ja. Jaaaaha. Nein. Kicher. Ja. Ich dich auch“

Zu diesem Im-Bus-telefonier-Typ zähle ich auch.

Mal so dass alle was davon haben: „WO ICH BIN? IM BUS! WATT? ICH FAHR JETZT NACH HAUSE. HABEN MICH DOCH DIE ASCHLÖSCHERS HEUTE MORGEN BEIM SCHWARZFAHREN ERWISCHT! WATT, OB ICH JETZT EIN TICKET HAB? BIST DU BEKLOPPT?“

Das schönste Gespräch von allen Gesprächen fand aber im Spätbus statt. Spätbusse eignen sich besonders gut zum telefonieren, die meisten Mitfahrer sind ruhig und bekommen jedes Wort mit:

 …

Im Bus.

Nä, ich komm jetzt nicht mehr zu dir, hasse mal auf die Uhr geguckt?

Nä, is`  halb eins, da fahr ich nicht mehr zurück.

Im Übrigen bin ich sauer.

Wieso, ey Typ, du hast Nerven!

Nä, echt, ich komm jetzt nicht mehr vorbei!

Jetzt wo wir zusammenziehen wollen muss sich eh einiges ändern!

Doch, ich mach datt nicht mehr mit.

Du musst dich schon entscheiden.

Na ob du jetzt die Andrea willst oder mich.

Du kannst mir zwanzig mal erzählen datt da nix  ist, ich glaub´ dir das nicht.

Nä, echt! Wenn Du von der immer Nacktfotos machst, dann glaub´ ich nicht dass da nicht ist!

Nä, datt ist für mich aber keine Kunst, nicht dreimal die Woche!

Deine Mutter findet das auch nicht gut!

Wieso soll ich da nicht mit deiner Mutter drüber reden, wir wohnen doch bald zusammen.

Nur datt du es weißt, ich hab da auch mit der Daniela drüber gesprochen, die ist da auch gegen.

Warum nicht?

Aber die ist doch schließlich mit dir verheiratet!

Peng. Das nennt man wohl offene Beziehung!