Archive for Juni 2011

Mein Mann schlägt mich!

Das ist wohl der Satz, der auf Tupperpartys am häufigsten gesagt wird.

„Nee, echt, mein Mann schlägt mich wenn ich schon wieder mit neuen Schüsseln nach Hause komme! Aber komm, was soll`s, ich sag einfach ich hatte die schon…“

Ich gestehe, ich habe eine heimliche Leidenschaft.

Ich gehe gerne auf Tupperpartys. Man kann dort herrliche Studien betreiben, Tupperberaterinnen ebenso wie die Gäste vergleichen. Es tun sich Abgründe auf, die man nicht vermutet hätte.

Vernunftbegabte Menschen, die vorher noch vollmundig von sich gegeben haben „Hör mal Andrea, Du darfst aber nicht sauer sein wenn ich nix kaufe, ich komm nur wegen dem Gastgeschenk“ sinnieren lauthals darüber, wie sie ihrem Gatten verkaufen sollen dass sie den Quickchef, mit dem man ganz toll umrühren kann, für nur 56,90€ gekauft haben. Dabei hatten sie doch gerade erst zum Muttertag die neue Küchenmaschine bekommen.

Leuchtende Augen, wenn die Beraterin erklärt dass es die Butterdose jetzt auch in gelb gibt. Zack, gekauft, Butterdosen kann man ja nie genug haben.

Und ich nehme mich an dieser Stelle AUSDRÜCKLICH nicht aus. Ich kaufe immer was. Und ich kaufe immer was von dem ich 10 Minuten vor der Tupperparty noch nicht einmal im Traum dachte, es jemals brauchen zu können. Insofern, und dieser kurze Einwurf für die Insider sei erlaubt, ist es schon sehr gut dass die Tupperberaterin von heute  keinen Weber Q120 dabei hatte.

Die Tupperberaterin.

Auch da gibt es große Unterschiede.

Die Vollprofiberaterin, der man anmerkt, dass sie schon alle Höhen und Tiefen des Beraterinnendaseins hinter sich hat, die gekonnt und mit Charme auf die Einwürfe der Scherzkekse eingeht…

Die Schüchterne, die noch dringend üben muss…

Die Unmotivierte…

Ich hatte sie alle. Am besten war aber meine erste Tupperberaterin. Ich weiß es noch wie heute. 1996 in Neuss. Sie setzte sich im Schneidersitz auf den Boden, die Schüsseln um sie herum drapiert. Nach und nach erzählte sie mehr oder weniger unmotiviert über die Schüsseln. Und dann, und dann, ganz am Ende, da kam dann der Knaller.

Ein Eiswürfelbereiter. „Und das ist das tollste Produkt aus dem Sortiment“ sagte sie. „Hö?“, dachte ich. „Meine Damen, wissen Sie, mein Mann und ich, wir trinken ja so überhaupt keinen Alkohol. Und wenn wir dann mal Besuch haben, dann trinkt der Besuch ja auch keine ganze Flasche Wein. Und wenn der Besuch dann weg ist, dann friere ich den Rest Wein ein.“ Na gut, dachte ich mir, wird dann wahrscheinlich für Soßen sein. Aber nein! Weit gefehlt! „Und wenn der Besuch dann wieder mal kommt, dann tau ich ein paar Würfel ab, dann hat er noch was von seinem Wein.“ Die Dame war ein Fuchs!

Ich habe heute übrigens eine Zitruspresse gekauft.

Mein Mann schlägt mich…

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Flugzeugbeobachtungen Teil 2

Nachdem meine Flugwoche jetzt beendet ist, ist es an der Zeit Euch an meinen Flugbeobachtungen Teil 2 teilhaben zu lassen.

Der Rückflug aus Hamburg und der Hinflug nach Berlin verliefen vollkommen ereignislos. Ich saß in Reihe 20 und 18, habe es also nach wie vor nicht in die Gruppe der Coolen im Flieger geschafft.

Auf dem Rückflug von Berlin, ich hatte übrigens wieder den Platz in Reihe 18, wie uncool, saß eine Kohorte hoch betagter Rentner hinter uns. Und wie in einer Kohorte üblich, gab es auch in dieser Kohorte einen Centurio. Er war mit Sicherheit auch damals im Berufsleben Führungskraft, wusste nichts, aber das alles besser. Die ganze Flugzeit eine Helmut-Schmid-Kappe auf, quasi als Zeichen der Macht. Ich möchte Euch die Dialoge auf dem kurzen Flug von Berlin nach Maastricht gerne weitestgehend unkommentiert wiedergeben. Den größten Effekt erzielt Ihr, wenn Ihr Euch das Ganze mit Stimmen wie aus Loriot „Szenen einer Ehe“ (Ihr wisst schon, „Das Ei ist hart“) vorstellt.

Centurio: Du musst dich anschnallen!

Omi #1: Ich hab keinen Gurt.

Centurio: Doch, du sitzt drauf!

Omi #1: Wie geht das denn?

Centurio: Du musst die beiden Teile zusammenstecken!

Omi #1: Das geht nicht!

Centurio: Wohl!

Omi #1: Ne!

Centurio: Das ging auf dem Hinweg doch auch, da haste dich doch auch angeschnallt!

Omi #1: Ne!

Centurio: Ich helf´ dir, so….

Omi #1: Danke…

Wir sind oben, die Anschnallzeichen gehen aus. Kurz darauf sofort eine Durchsage: „Sehr geehrte Fluggäste, da wir infolge Turbulenzen einen unruhigen Flug erwarten, möchten wir Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit bitten sich wieder anzuschnallen und die Toiletten nicht mehr aufzusuchen.

Omi #2: Das wackelt aber…

Centurio: Ja, du musst dich anschnallen, die räumen die Toiletten! Alle müssen sofort aus dem Klo raus!

Omi #2: Komisch dass das so wackelt…

Centurio: Alle müssen sich anschnallen! Das ist schon schrecklich, wenn man sein Geschäft mittendrin unterbrechen muss…

Omi #2: …dabei ist doch schönes Wetter…

Centurio: das sind LUFTTURBULENZEN! Die sieht man nicht!

Omi #2: ach so. Das muss einem ja auch gesagt werden wenn man 20 Jahre nicht geflogen ist…

Das Anschnallzeichen geht aus. Ping.

Centurio: So, jetzt kannst du auf´s Klo.

Omi #2: ich muss aber nicht…

Centurio: Aber die die müssten, die könnten jetzt auf´s Klo…

Omi #2: Ich muss aber nicht…

Durchsage: „Meine Damen und Herren, wir befinden uns jetzt nördlich von Düsseldorf. Wir werden unser Ziel Maastricht pünktlich in einer halben Stunde erreichen.“

Centurio: Na, ist jetzt schon dein zweiter Flug! Kann man sich dran gewöhnen, oder?

Omi #1: Ich seh` nix…

Centurio: Guck doch raus!

Omi #1: Ich seh` nix, da sind nur Wolken…

Centurio: Aber das ist doch schön!

Omi #1: Nee, nur weiß…

Centurio: Aber wir gehen ja gleich runter, wenn wir ja jetzt schon in Düsseldorf sind, kommt ja jetzt Köln.

Schweigen.

Omi #1: Ich seh` nix…

Centurio: Aber wenn wir ja jetzt in Köln waren, kommt ja gleich Aachen und dann Masstricht. Dann siehst du was!

Omi #1: Ich seh`nix…

An dieser Stelle wundere ich mich, darüber, dass der Flieger den Autobahnen folgt. Wusste ich noch nicht. Und wenn er schon über die Autobahn fliegt, weshalb hat er nicht die Strecke über die A44 von Düsseldorf nach Aachen genommen, das ist doch kürzer! Navi kaputt? Oder war da Stau?

Flugzeugbeobachtungen Teil 1

Nachdem ich mich in dieser Woche deutlich mehr im Flieger als im Bus aufhalte (nein, ich bin nicht so wichtig, das war Zufall) möchte ich Euch an meinen Flugzeugbeobachtungen teilhaben lassen.

Was ist der größte Unterschied zwischen dem Bus und dem Flieger? Hm? Habt Ihr eine Ahnung? Ja, Du dahinten? Nein, Du hast schon Recht, der Bus fährt, das Flugzeug fliegt, aber das meine ich nicht… Die Dame hier vorne rechts? Ja, Sie liegen richtig, im Bus bringt einem niemand Tomatensaft und Nüsschen, aber auch das meinte ich nicht…

Niemand? Na gut, dann verrate ich es.

Im Bus sitzen die Coolen hinten, im Flieger sitzen die Coolen vorne. Ja. Echt. Vorne sitzen im Bus doch eigentlich nur die Omis, oder? Wer was auf sich hält sitzt, wenn nicht auf der Rückbank, dann doch mindestens hinter dem Gelenk im Gelenkbus. Im Flieger ist das anders. Da muss man vorne sitzen, sonst ist man out.

Noch ein wesentlicher Unterschied: die kostenlosen Zeitungen. Da wird eingepackt soviel man tragen kann. Welt, Süddeutsche, Wirtschaftswoche, Financial Times, ganz egal ob es einen interessiert, ist ja schließlich umsonst. Aber was lesen die Jungs und Mädels während des Fluges mit voller Inbrunst? Na? Die Bild oder den Express. War ja auch umsonst. Liest man ja sonst NIE….

Übrigens, ich saß auf dem Hinflug nach Hamburg in Reihe 19…