Dinosaurier und Schaltjahre…

Heute durfte ich mal wieder Zeugin einer ganz famosen Konversation werden. Im Bus sitzen drei Sechsjährige, na gut, lass sie sieben Jahre alt sein. Kind eins neben mir, die beiden anderen in der Reihe dahinter. Kind eins liest voller Inbrunst einen Dinosauriercomic.

Kind eins (dreht sich zu seinen Freunden um): „Das nächste Heft kommt nächsten Monat, am Zweiunddreißigsten. MUSS ich haben!“

Kind zwei (seufzt): „Am Zweiunddreißigsten DIESEN Monats!“

Kind drei (seufzt noch intensiver): „Jungs, Monate haben IMMER einunddreißig Tage!“

Kind zwei (energisch): „Quatsch, dieses Jahr ist Schaltjahr!“

Nun, das würde es erklären…

Kind drei: „Nein, dass mit dem Schaltjahr ist nächstes Jahr, dieses Jahr sind es immer einunddreißig Tage!“

Und dann bleib mal ernst….

 

Postbeobachtungen

Die Hauptpost in Aachen ist immer für Überraschungen gut. Kam sie vor Jahren auf den Trichter, im Weihnachtsgeschäft auf das System „Nümmerchen ziehen“ umzustellen und so für ein Megachaos zu sorgen, ist man nun auf eine neue, ich würde sagen, kongeniale Idee gekommen. 

Aber mal von Anfang an. Ich hatte einen Brief mit drei Anlagen an eine Behörde zu versenden. Um selbige nicht mit falsch frankiertem Brief zu verärgern, habe ich mich an den Schalter gewandt. Bingo, dachte ich, sofort dran. Die freundliche Dame am Schalter fragte dann nach der Versandart, ich antwortete ebenso höflich. Daraufhin schrieb sie mit Kuli 0,85€ auf meinen Brief. In meine erstaunten Augen blickend  teilte sie mir mit, Einzelbriefmarken gäbe es nur noch am Automaten. Am Schalter nur Zehnerpacks. Quasi „draußen nur Kännchen“. Als ich mich dann zu einem „tolle Vereinfachung“ hinreißen ließ, meinte sie nur „für uns schon“. 

Ein grandioser Schachzug der Betriebsorganisation, gibt der Automat doch kein Wechselgeld heraus. Also Zack, statt 0,85€ 1,00€ bezahlt. Braucht jemand eine 0,05€ und eine 0,10€ Briefmarke? Hätte ich über…

Die wohl traurigste Konversation ever…

Ich durfte heute Zeugin der wahrscheinlich traurigsten Konversation werden, die je in einem Bus der Linie 21 geführt worden ist. Diese Erfahrung bringt mich dazu, nach gefühlt zwei Jahren diesen Blog aufleben zu lassen. Aber lest selbst…

Die Szene:

Zwei Teenagermädchen, Typ „Warum in drei Gottes Namen sollte ich denn anders aussehen als meine Freundinnen“ in der Version 2016 (glattgebügelte Haare, olivfarbene kurze Jacke, längeres Oberteil in schwarz, Skinnyjeans – ebenfalls schwarz) sitzen nebeneinander und starren auf ihre Smartphones. Ich natürlich auch. Ich bin anders gekleidet, schließlich bin ich schon einunddrölfzig Jahre kein Teenager mehr, starre aber auch auf mein IPhone, um nicht als Profi-Busbeobachterin enttarnt zu werden.

Die Konversation:

„Also wenn ich mich jetzt von der Brücke schmeißen würde, mich würde echt keiner vermissen“ sagt Teenager 1.

Keine Reaktion. Teenager 2 starrt weiter auf das Smartphone.

„Also wenn ich mich jetzt von der Brücke schmeißen würde, mich würde echt keiner vermissen“ sagt Teenager 1.

Keine Reaktion. Teenager 2 starrt weiter.

„Also wenn ich mich jetzt von der Brücke schmeißen würde, mich würde echt keiner vermissen“ sagt Teenager 1.

Noch immer keinerlei Reaktion.

Teenager 1 seufzt inbrünstig.

Teenager 2: „Hm?“

Das Fazit:

Liebes Teenager 1 Mädchen, wenn Deine Aussage einfach so daher gesagt war, und nur ein Test sein sollte, ist das der Oberbrüller, der noch auf vielen Feten erzählt werden sollte. Er hätte es verdient.

Wenn aber Deine Aussage nur ein Fünkchen Wahrheit enthielt, dann ist es an der Zeit, nicht über die Wahl der Brücke nachzudenken, sondern über die Wahl der Freunde…

Wenn ich Dir helfen kann, sprich mich an. Ich bin die, die immer auf ihr Handy starrt…

„Von der Unerträglichkeit der Dummheit“ oder „Ein jeder setze seine eigenen Prioritäten“

Vorbemerkung:

Nicht ich habe die nachstehende Geschichte erlebt. Das ist ist auch gut so, denn möglicherweise hätte ich mich nicht beherrschen können. Die Geschichte, die gestern abend ein Freund am Bushof in Aachen erlebt hat, hat mich jedoch so nachhaltig beeindruckt, dass sie unbedingt einen Platz in diesem Blog verdient hat.

Und hier nun die Geschichte:

Es ist früher Abend. Zwei weibliche Jungteenies die den maßvollen Umgang mit Kosmetik noch erlernen müssen, studieren einen Zettel auf dem ein seit Tagen vermisstes Mädchen aus dem Umland gesucht wird. Das vermisste Mädchen ist 14 Jahre alt, die beiden Jungteenies dürften etwa gleichaltrig sein.

Die Eine liest den Zettel mühsam laut vor. Nicht nur ein Schminkkurs, auch ein wenig Nachhilfe täte ihr gut.

Die andere junge Dame lauscht gebannt. „Krass!“, meint die Vorleserin. „Ja, voll krass“ meint die andere bestürzt, „Echt schlimm, haste die Augenbrauen gesehen? Die sind ja total krass!“

„Boah ja echt“, drückt auch die Vorleserin ihr Entsezen aus. „Ich kenn die aus dem Bus, die hat echt immer so voll schlimme Augenbrauen!“

So setzt halt jeder seine eigenen Prioritäten…

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Lange ist es her dass ich etwas in den Blog geschrieben habe. Nach den etwas deprimierenden, aber realistischen Geschichten aus Irland wird es jetzt wieder spaßiger.

Ich darf wieder mit dem Zug durch die Republik reisen, genau genommen von Aachen nach Hannover. Vier Stunden, in denen wunderbares Material für die Zugbeobachtungen gesammelt werden konnte.

Und es gibt sie, die Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die Unterscheidung erfolgt dabei nicht nach erster Klasse und zweiter Klasse, nein, das wäre zu profan. Die Unterscheidung liegt in der Wahl des Zuges, also in den RegionalExpress-Fahrern und den ICE-Fahrern.

Gemeinsam ist den beiden Klassen, dass hemmungslos laut geredet wird. Verständlich, schließlich hat man der Welt ja auch Einiges mitzuteilen. Das drängt an die Oberfläche, das will raus.

In Stolberg ist sie eingestiegen, gemeinsam mit Ihrer Freundin. In Eschweiler wusste ich schon, dass ihr Freund morgens ganz schlecht rauskommt, ihre Mutter lange Jahre Vegetarierin war, und das viele Leute das System der Garderoben bei Veranstaltungen nicht verstehen. Für die nicht Ortskundigen, ich rede von dem Abstand zwischen zwei Bahnhöfen.

Bis Düren habe ich mich dann über die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke von Leuten mit Lippenpiercings informieren dürfen. Man hat mit einem solchen (ich habe keines) wohl die Tendenz in Momenten in denen man sich unbeobachtet fühlt, mit der oberen Zahnreihe am diesem Piercing zu Kauen. Können Sie sich vorstellen was ich meine? Dabei ist es für den Dämlichkeitsgrad des Ausdruck wohl sehr entscheidend, wo das Piercing platziert ist. Mangels eines solchen Körperschmucks kann ich hierzu nichts sagen, werde aber später im Badezimmer mal versuchen, ob ich diese Gesichtsausdrücke simulieren kann. Hier in der Bahn möchte ich das nicht tun, sonst lande ich am Ende noch selbst in einem Blog.

Kurz vor Horrem habe ich dann noch erfahren, dass Marvin mit seiner Kusine poppt. Das ist nämlich deshalb besonders brisant, weil sie eigentlich mit dem besten Kumpel vom Marvin zusammen ist. Aber das wussten Sie ja wahrscheinlich schon, oder?

Ganz anders sind die Gespräche im ICE. Hier geht es nicht um Piercings oder dem Austausch von Körperflüssigkeiten, hier geht es um Business, Zahlen, Daten, Fakten.

Aber mit dem Blackberry in der Hand ist das Posen noch viel besser als das Posen beim ACDC-Luftgitarre-Spielen unter der Dusche.

Hier wird hemmungslos alles ausgeplaudert. Vergiss die Geheimhaltungsvereinbarung die Du bei Arbeitsantritt unterschrieben hast, die Welt will erfahren was für ein toller Hecht du bist! Lass es raus! Von Köln bis hinter Wuppertal dürfte ich mich über die Bestandsverwaltungssysteme von Industrieversicherungsmaklern informieren lassen. Glaubt man dem IT-Menschen, der hier tätig ist, müssen dort katastrophale Zustände herrschen. KATASTROPHAL!!! Ich komme ins Grübeln, ob man Marcel, dem Freund von Marvin nicht einen Tipp geben sollte…

Besonders entzückend finde ich, dass der ganze ICE-Wagen gestern auch die private Email-Adresse des IT-Menschen bekommen hat. Soll ich sie verraten? Nein, das mache ich natürlich nicht. Zu meinem größten Bedauern war es Mail.name@web.de. Wie gerne hätte ich gehört „Schick mir das doch bitte auf Pummelbaerchen1977@gmx.de“ Schade….

…und dann hat mein Bein gebrannt…

Auch Radiohören ist etwas Besonderes in Irland. Natürlich gibt es wie bei uns die Radioshows bei denen die Musik im Vordergrund steht. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich aber die Radioshows bei denen man anrufen und über Gott und die Welt erzählen kann.

Vor zwei Jahren haben wir eine Show gehört in der es um Outdoorklamotten ging. Die Radioleute haben sich kaputtgelacht über die Menschen, die die teuersten Outdoorklamotten haben die bis Minus 20°C halten und damit ausschliesslich durch Dublin spazieren und in Echt nicht Polarforscher sondern Buchhalter sind.

Heute ging es um Amputierte und ihre Situation in Irland.

Allein im Westen Irlands stehen derzeit 120 Menschen auf der Warteliste für eine Prothese. Normalerweise sollte die Anpassung der Prothese drei bis vier Wochen nach der Amputation erfolgen, wenn die Wunden verheilt sind. Hier dauert es aber bis zu sechs Monate bis man seine Prothese bekommt. Schlecht wenn man da auf die staatliche Gesundheitsorganisation HSE angewiesen ist. Gut wenn man eine private Krankenversicherung hat. Im Radio berichten Jerry (mit staatlicher Gesundheitsversorgung) und Helen (mit Privatversicherung) von ihren Prothesenerfahrungen. Jerry wartet nun schon seit zwei Monaten auf ein Ersatzteil, Helen hat das Luxusmodell bei dem man sogar High Heels tragen kann wenn einen Knopf drückt der die Ferse entriegelt. WOW!

Jerry hat mittlerweile die fünfzehnte Prothese. Normalerweise hält so eine Prothese vier Jahre. Nicht bei ihm. „Naja“, meint er, „die eine ist verbrannt, ein paar sind gebrochen, oder halt einfach kaputt gegangen“. „Wie verbrennt man denn eine Prothese, in drei Gottes Namen?“ meint der Moderator. „Na ja, ich war auf dieser Party und da habe ich viel zu nah an dem Heizstrahler gestanden, es hat was komisch gerochen, aber das hat mich nicht weiter gestört…

…und dann hat mein Bein gebrannt…

Ein trauriges Thema

Als wir in 2010 im Mai hier auf Achill Island waren, haben wir ein Reisetagebuch geschrieben, quasi als Methadonprogramm für zwei Twitter- und Facebookjunkies ohne Internetanschluss. Mittlerweile haben wir hier auch Dank Mifi-Modem und Prepaiddatenkarte keine Ersatzdrogen mehr nötig, die Tradition des Reisetagebuches möchten wir aber fortführen.

Das erste Thema hat aber nichts Lustiges in sich. Zum Einstieg nochmal unsere Reisetagebucheintrag vom Mai 2010:

Der dunkle Geist der Rezession

Ein Geist geht um in Irland.

Er heißt „Rezession“ und ist allgegenwärtig. Nahezu jedes Gespräch mit den Einheimischen

beginnt mit den Worrten: „Na, habt Ihr in Deutschland auch so eine schlimme Rezession?“

Hier ist die Situation aber auch wirklich aberwitzig. Während der Zeit des Celtic Tigers sind

die Löhne – zumindest in den größeren Städten – in den Himmel geschossen. Auf einmal hatte das arme Volk der Iren die Taschen voller Geld. Und was macht man mit dem ganzen Geld?

Man gibt es aus, und zwar mit vollen Händen. Man hat so lange so wenig gehabt, jetzt ist man

auch mal dran. Und so geht es los. Und weil man all die schönen Dinge sofort haben mag leiht

man sich das Geld von der Bank. Ist ja kein Problem, man verdient ja ordentlich und kann den

Kredit zurückzahlen.

Also baut man flott ein Haus, die Häuser kosten, nebenbei bemerkt circa das Doppelte von

dem, was sie bei uns in Deutschland kosten. Und man kauft sich schnell ein Auto, ach komm,

was soll das zaudern, nehmen wir doch zwei, für die Gattin auch eins. Im Urlaub war man ja

auch schon so lange nicht mehr…

Mit den Löhnen steigen auch die Preise, macht ja nichts, man hat ja Geld. Das führt zu Preisen, die jenseits von Gut und Böse sind. Im örtlichen Supermarkt (der nächste ist 70 km ent-

fernt) kosten 4 Rollen Toilettenpapier 3,50€. Da überlegt man sich doch, ob man zum Klo

geht… Lauchzwiebeln, die wir vor unserer Reise in Deutschland noch für 0,49€ gekauft haben,

kosten hier 0,79€. Nein, nicht in der Apotheke, sondern bei Aldi. Aldi gibt es hier ebenso wie

Lidl, zumindest in den größeren Städten. Und spätestens seit das Gespenst der Rezession um-geht, erfreuen sich die Discounter auch hier großer Beliebtheit.

Aber zurück zur Rezession. Der Celtic Tiger ist schon länger kein Tiger mehr, sondern allen-

falls ein altersschwacher Stubenkater. Und so wie vormals die Löhne ist jetzt die Arbeitslosig-

keit in den Himmel geschnellt. Viele, insbesondere die jungen Leute sind arbeitslos und sitzen

auf Bergen von Schulden.

Die Preise jedoch, die sind gleich geblieben. Na ja, fast. Im „Ring Café“ in Westport gibt es

jetzt eine Rubrik „Ring´s Recession Menue“ auf der Speisekarte. Da kostet der Cheeseburger

mit Pommes und Salat dann nur 5,95€. Apropos Cheeseburger. Auch McDonalds ist hier eine

echte Apotheke. Der Cheeseburger, den man bei uns für einen Euro bekommt, kostet hier

1,95€. Respekt.

Ach, doch ein Preis ist wegen der Rezession gesunken. Das Pint Bier ist um 0,20€ gesunken.

Ist doch mal was, dann kann man sich die Rezession wenigstens wegsaufen…

Das war also in 2010.

Jetzt, in 2012 ist die Rezession dann richtig voll da. Und neben all dem was man sich denken kann, gestiegene Arbeitslosigkeit, gestiegene Insolvenzen und so weiter, ist auch die Selbstmordrate massiv gestiegen. Im Internet findet man hierzu die unterschiedlichsten Zahlenangaben. Nach Aussage von Amnesty International haben Griechendland und Irland mittlerweile in Europa die höchsten Selbstmordraten, wen wundert das?

Das Ganze könnte man noch für politische Aussagen ohne tiefere Substanz halten, würde einem das Thema hier nicht überall begegnen.

In Kneipen liegen Flyer von Selbsthilfegruppen aus, auf dem Klo hängt eine Liste mit Telefonnummern von Telefonseelsorge und anderen Anlaufstellen für Suizidgefährdete. Als wir über dieses Thema gestern mit irischen Freunden diskutiert haben, bestätigten sie uns dass die Zahl der Selbstmordtoten übermäßig gestiegen ist. Gerade hier auf Achill, der größten irischen Insel, auf der es aber neben Tourismus und Fischerei nur wenige Jobs gibt, seien im letzen Jahr deutlich mehr Selbstmorde als in den Vorjahren vorgekommen. Es seien meist die jungen Leute zwischen 18 und 25 Jahren.

Zumindest wird das Thema nicht im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen, sondern aktiv angegangen.

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